Handelsgebräuche

Was ist der gelebte Brauch im Handel mit Holz und Holzprodukten?

Neu festgestellt:
„Tegernseer Gebräuche“

Die Gebräuche im Handel mit Holz und Holzprodukten in Deutschland werden auch „Tegernseer Gebräuche“ (kurz: TG) genannt, weil die erstmalige Zusammenstellung holzwirtschaftlicher Gebräuche im Jahr 1950 und die folgenden Fassungen 1956, 1961 und 1985 am Tegernsee verabschiedet wurden.

Handelsgebräuche haben durch ihre Verknüpfung mit § 346 HGB „Normcharakter“ und spielen im Handel mit Holz und Holzprodukten eine entscheidende Rolle bei (gesetzlichen) Vergleichen, Reklamationen und Handelsabschlüssen. Sie sind keine allgemeinen Geschäftsbedingungen, die vereinbart werden müssen.

Handelsgebräuche im Holzhandel
Historische Titelseite der Handelsgebräuche von 1956

Im Handel mit Schnittholz spielen die Handelsgebräuche nach wie vor eine wichtige Rolle

Für wen gelten die Gebräuche?

Die Gebräuche gelten zwischen Unternehmern, also Geschäftsleuten (oft „B2B“ genannt). Sie gelten auch dann, wenn sie nicht vereinbart wurden und auch dann, wenn einer der beteiligten Geschäftsleute diese nicht kennt. Die Gebräuche gelten nur dann nicht, wenn sie im Vorfeld des Handelsgeschäfts ausdrücklich ausgeschlossen wurden. Die Gebräuche gelten für alle, die mit Holz und Holzprodukten gewerblich handeln und entsprechende Geschäfte abschließen. Sie gelten auch für Gewerbetreibende, die als Käufer auftreten, z. B. Tischler, Zimmerer, Bauunternehmer u. a.

Welche Bedeutung haben die Gebräuche heute?

Die Gebräuche sind immer dann wichtig, wenn bei Handelsgeschäften im Holzhandel zwischen den Geschäftspartnern keine allgemeinen Liefer- und Zahlungsbestimmungen (ALZ) oder allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vereinbart sind. Bei den meisten heutzutage stattfindenden Geschäften werden zwar ALZ vereinbart, jedoch lehnen sich die ALZ im Holzhandel oft an die Bestimmungen der TG und finden somit bei praktisch jedem Handelsabschluss Anwendung.


Punkte der Neufeststellung

Teil 1 der Gebräuche ergänzt und konkretisiert das Handelsgesetzbuch (HGB) und das Kaufvertragsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Somit kommt diesem Teil besondere Bedeutung zu. So bestimmt z. B. das HGB in § 377 (Untersuchungs- und Rügepflicht), dass Ware unverzüglich zu untersuchen und ggf. zu rügen ist. Nähere Angaben, was unverzüglich bedeutet und formelle Anforderungen an die Mängelrüge macht das HGB nicht.

Die Handelsgebräuche konkretisieren diese HGB-Bestimmung dahingehend, dass „unverzüglich, spätestens innerhalb von 14 Kalendertagen zu rügen ist“. Ferner werden formale Anforderungen an eine ordentliche Mängelrüge genannt, so hat die Mängelrüge in Textform (NEU: via E-Mail oder sonstige Textnachricht möglich); unverzüglich, spätestens innerhalb von 14 Kalendertagen und unter genauer Angabe der Mängel und des Lagerortes zu erfolgen.

Weitere wichtige Punkte sind generelle Fristen, die sich seit 1985 aufgrund digitaler Kommunikationswege und -mittel beschleunigt haben. Zudem hat sich auch die Produktpalette des Holzhandels erheblich geändert: Während der Handel mit unbesäumter Blockware heute die Ausnahme darstellt, sind weiterverarbeitete Holzprodukte die Regel.

Zeitstrahl Überarbeitung TG
Zeitstrahl Überarbeitung TG


Verabschiedung 2022

Der abgestimmter Schlussentwurf ist verfügbar und liegt den Verbänden zur Abstimmung vor. Das Redaktionsteam rechnet mit einer Verabschiedung der neu festgestellten Handelsgebräuche im Oktober/November 2022.

Diese gemeinsame Sprachregelung dient der Sicherheit und Klarheit bei der Vertragsgestaltung. Sie schafft und erhält innerhalb der definierten Gebräuche ein Stück Unabhängigkeit gegenüber vertragsrechtlichen Auslegungen nach BGB oder HGB und bei Rechtsstreitigkeiten.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie Kommentare oder Fragen haben.

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