14.05.2018

2. Fachdialog „Nachhaltiger Holzbau“

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Mit den drei Fachdialogen zur Holzbeschaffung aus nachhaltiger Waldwirtschaft 2015 und 2016 und zum Nachhaltigen Holzbau 2017 festigte das Land Berlin seinen Ruf als Modellstadt auf diesen Feldern. Nicht von ungefähr übernahm der Bund in seinem Bundesbeschaffungserlass das „Berliner Modell“. Im noch jungen Jahr 2018 sei man nochmals einen weiteren großen Schritt zur Stärkung des Holzbaus vorangekommen, waren sich Jürgen Klatt, Vorsitzender des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel e.V. (GD Holz), und Lutz Wittich, Stellvertretender Leiter der Berliner Forsten, in ihren Begrüßungsworten an die mehr als 100 Besucher(innen) des 2. Fachdialogs „Nachhaltiger Holzbau“ von Senatsumweltverwaltung und GD Holz einig. Sie benannten drei wichtige Akzente mit Signalkraft für das gesamte Bundesgebiet:
Erstens beschloss das Land Berlin im März 2018 eine wegweisende Änderung der Berliner Bauordnung. So wird im § 26 eine neue Regelung zur einfacheren Genehmigung von Gebäuden aus Holz bzw. mit tragenden Teilen aus Holz eingeführt. Nach Baden-Württemberg bringt nun auch Berlin auf diesem Wege mehr Nachhaltigkeit in die Bautätigkeit und Bauindustrie.
Zweitens wird der Senat demnächst festlegen, dass zukünftig größere öffentliche Gebäude in Berlin nach dem Bewertungssystem „Nachhaltiges Bauen“ des Bundes errichtet werden und zumindest den „Silbernen Standard“ erreichen. In diesem Kontext soll auch verbindlich vorgegeben werden, dass bei baulichen Wettbewerben von öffentlichen Gebäuden der Baustoff Holz bevorzugt zu verwenden ist, sofern keine bauordnungsrechtlichen Vorschriften dem entgegenstehen.
Drittens errichtet das Land Berlin derzeit drei größere Schulen sowie 30 Kitas als Holzkonstruktionen. „Auch bei unserer Schulbauoffensive mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 5,5 Milliarden Euro sollen Schulen verstärkt in Holzkonstruktionsbauweise errichtet werden“, verriet Wittich.

Der Holzbau ist in der Stadt angekommen
Die Novellierungen der Landesbauordnungen lobte Architekt Prof. Tom Kaden, Kaden und Lager GmbH, als „positiven Holzweg“. Der Holzbaupionier, der inzwischen an der TU Graz lehrt, sprach wie selbstverständlich von sieben- bis zehngeschossigen Holzkonstruktionen und bejahte damit die in seinem Vortragstitel „Urbaner Holzbau?“ involvierte Frage. Einen hohen Vorfertigungsgrad und das Gestalten in Serie benannte Kaden als Erfolgsfaktoren für eine konkurrenzfähige städtische Holzarchitektur. Gleichzeitig brach er eine Lanze für die Mischbauweise, weil es darum gehe, die jeweiligen Baustoffe dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben, um insgesamt der Nachhaltigkeit im Baubereich zu dienen.

Öffentlicher Bau ebnet nachhaltigen Holzprodukten den Weg
Die Öffentliche Beschaffung als Motor für nachhaltigkeitszertifizierte Holzprodukte thematisierte Dipl.-Forstwirt Eugen Dickerhoff von Klöpferholz GmbH & Co. KG. Anhand von Zahlen und Warengruppenbeispielen zeigte er auf, dass heute ausreichend zertifiziertes Holz nach dem PEFC- und FSC®-Standard für den Holzbau zur Verfügung steht. Die inzwischen breite Zertifizierung von Waldbesitzern und Unternehmen gehe maßgeblich auf Beschaffungsbeschlüsse der EU, des Bundes und der Länder zurück. „Mit 32,9 Milliarden Euro – das waren 2017 28 Prozent des Umsatzes im Bauhauptgewerbe – halten öffentliche Beschaffer einen starken Hebel in der Hand“, so Dickerhoff.

Holzbauten haben die geringste Mieterfluktuation“, lautete eine der verblüffenden Aussagen von Dipl.-Ing. Architekt Hans-Otto Kraus, Beiratsmitglied der Bundesstiftung Baukultur, im Rahmen seines Referates „Mehr, schneller, günstiger – Geht das mit einem Holzbau?“. Er begründete auf vielschichtige Weise, warum es oftmals lohnt, in Ausschreibungen dem vermeintlich teureren Holzbau-Konzept zu vertrauen. „Billig ist die teuerste Variante des Bauens. Entscheidend ist die Wirtschaftlichkeit über einen Zeitraum von 40 Jahren und mehr“, so Kraus. Die kurze, oftmals halbierte Bauzeit, die höhere Wohnzufriedenheit, die einfache Instandhaltung und Rückbaubarkeit seien wichtige Aspekte.

Neben der Nachhaltigkeitszertifizierung sei der Nachweis eines unbedenklichen Emissionsverhaltens für Bauprodukte ein wichtiges Marktzugangskriterium, führte Dipl.-Ing. Harold Neubrand unter der Überschrift „Holzbau emissionsarm“ aus. Neubrand ist Beratender Ingenieur, DGNB-Auditor und DGNB-Experte für Bau- und Schadstoffe. Er wies darauf hin, dass eine mangelhafte Innenraumlufthygiene ein K.O.-Kriterium im DGNB-Bewertungsschema sei. Das Problem: Die im Bauprozess verwendete Vielzahl an Materialien und Produkten mache eine Prognose über die spätere Konzentration von Emissionen (Aldehyde, Terpene) in der Raumluft schwierig. Daher sprach er sich auch für die Vorlage von notwendigen Prüfzeugnissen für emissionsarme Holzprodukte, Beratungen, regelmäßige Überwachungen am Bau sowie Raumluftmessungen spätestens vier Wochen nach Fertigstellung aus, um die Vorgabe der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen zu erfüllen.

14 weitere Bundesländer sollen Berlin folgen
Den Schlusspunkt im Theorieteil des 2. Fachdialogs setzte Ulrike Oertel, Brandschutzexpertin bei Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz, mit „Neue Entwicklungen zum Holzbau in den Bauordnungen“. Sie lobte die Vorreiterrolle Berlins und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass bald auch Hamburg und danach weitere Bundesländer die Holzmassivbauweise mit sichtbaren Holzbauteilen (statt Kapselung) ab Gebäudeklasse 4 und 5 ermöglichen werden. Aus Expertensicht sei es längst möglich, auch mit Holz den notwendigen Feuerwiderstand zu gewährleisten und im Brandfall die Übertragung von Feuer und Rauch in andere Gebäudebereiche zu verhindern.

„Der Holzbau kommt in die Breite, er emanzipiert sich von einzelnen Leuchtturmprojekten“, resümierte Moderatorin Dr. Katharina Gamillscheg, Stellvertretende GD Holz-Geschäftsführerin, den Vortragsreigen. Das sei eine Erfolgsgeschichte, an der der Holzhandel als Bau- und Klimaschutzpartner auch in Zukunft aktiv und partnerschaftlich mitwirken wolle.

Baustellenbesichtigung „Holzbau zum Anfassen“ feierte Premiere
Als Praxis-Pendant zum 2. Fachdialog „Nachhaltiger Holzbau“ luden die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V. (GD Holz) am Folgetag, 8. Mai 2018, zur Besichtigung von zwei ganz unterschiedlichen Holzbaustellen ein.

Zunächst führte die Busexkursion die 40 Teilnehmer(innen) in die Newtonstraße in Berlin-Adlershof. Hier baut die kommunale HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH drei Punkthäuser mit insgesamt 42 Wohnungen in Holz-Hybridbauweise (ca. 2.750 m² Wohnfläche) – 40 Prozent davon als sozialer Wohnungsraum zu Einstiegsmieten ab 6,50 Euro/m² kalt. Auf dem Grundstück entstehen attraktive, helle Räume mit sichtbar bleibenden, tragenden Holzstützpfeilern hinter einer einladenden vorgehängten Holzfassade. Wie Stefan Schautes, Leiter Neubau bei der HOWOGE, und Architekt Markus Lager, Kaden und Lager GmbH, erläuterten, machen der hohe Vorfertigungsgrad der Holzfassadenelemente durch die Baufirma Brüninghoff und der undogmatische Mix der Materialien den KfW-70-Bau kostenmäßig konkurrenzfähig. Die HOWOGE baut aufgrund dieser positiven Erfahrungen weitere Gebäude in Holzbaukonstruktion. Fast 10 Prozent der derzeit von der HOWOGE errichteten bzw. geplanten Gebäude werden mit dem Baustoff Holz umgesetzt.
Auf einem Grundstück direkt am Waldpark des BUGA-Geländes in Potsdam errichten die Architekten Farid und Susanne Scharabi für eine private Baugruppe ein dreigeschossiges nachhaltiges KfW-55-Projekt mit neun Eigentumswohnungen. Es handelt sich (auf einem Keller aus Stahlbeton) um einen hochökologischen Holzmassivbau. Herbert Niederfriniger, Firmengründer der holzius Vollholzhaus GmbH, erklärte, wie er mit Hilfe von besonderen Holzzuschnitten, schwalbenschwanzförmigen Massivholzgratleisten sowie Holzgewindeschrauben ohne Leim und Metall auskommt. Dies mache eine bedenkenlose Wiederverwendung der Materialien nach der Nutzungszeit des Gebäudes möglich. Holzfenster und eine Holzfaserdämmung komplettieren das Vorzeigeobjekt in Sachen Energiesparen, Ressourcenschonung und Klimaschutz.

Berlin, 14. Mai 2018

2. Fachdialog „Nachhaltiger Holzbau“ mit Baustellenbesichtigung Berlin am 7./8. Mai 2018

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